Wecheslbäder sind ja ach so gesund! Und diese durchlebten die Zuschauer am Schlosspark bis zum Abpfiff zur Genüge, sodass man anschließend mit gestärktem Herz-Kreislauf-System am Kaffeetisch Platz nehmen konnte...

Es war schon ein Wahnsinnskick, der da am frühen Nachmittag geboten wurde. Unsere Jungs waren gut drauf und gingen durch Timo Schöning, der ein Jungmann-Zuspiel in der 20. Minute zum 1:0 nutzen konnte, absolut verdient in Führung. Der Gästekeeper hatte dabei mit einer m. E. verunglückten Fußabwehr keine besonders gute Figur abgegeben. Bereits zuvor hatten wir zwei gute Einschussmöglichkeiten nicht nutzen können. Nach einem Spielzug über Bischoff war Timo aus der Nahdistanz am Torwart gescheitert (7.), das gleiche Schicksal ereilte Nils Koehle nach kurzem Solo über links aus sehr spitzem Winkel (16.). Auf jeden Fall hatten die Schlossparkkicker bis zum 1:0 wirklich alles im Griff, doch danach wurde erkennbar Druck aus dem Kessel genommen. Folgerichtig kamen die Gäste besser ins Spiel, trotzdem hätten wir durch Alex Ruf in der 28. erhöhen können, doch auch er fand seinen Meister im VfL-Keeper, Frederic Baars. Kaum eine Minute später hatte Westercelle die große Chance zum Ausgleich, aber der Freistoß ihrer Nr. 17, Maximilian Wede, aus ca. 18 m knallte nur gegen die Latte. Bis zur Pause konnte sich keine Mannschaft ein größeres Übergewicht erarbeiten und so ging's mit dem knappen Vorsprung in die Halbzeit.

Nach dem Wechsel merkte man sofort, dass sich Westercelle für den zweiten Durchgang einiges vorgenommen hatte. Unsere Defensive war nun deutlich stärker gefordert und als ein Fehlpass Micha Langreders in der 50. beim Gegner landete, war es schließlich soweit. Dominik Gärtner ließ sich über rechts kommend nicht von Dennis Jordan aufhalten und konnte schließlich aus etwa 7 m abschließen. Unser Mann zwischen den Pfosten, Cedric Dreyer, war zwar noch mit dem Unterschenkel am Ball, doch die hoch abprallende Kugel fand trotzdem den Weg ins Tor. Mit dem Ausgleich war das Momentum zu unseren Gästen gewechselt, die nun mehr wollten. Es war nun nicht so, dass wir uns hinten rein gestellt hätten, aber wir konnten uns vorne nicht entscheidend durchsetzen und verloren zu schnell die Bälle. In der Viertelstunde nach dem 1:1 bekamen die Zuschauer ein wildes Rauf und Runter zu sehen, mit leichten Vorteilen für Westercelle.

Doch dann gab's mehr als 30 m vor dem Gehäuse einen Freistoß für die Schlossparkkicker. Der gerade ins Spiel gekommene Nico Meyer legte sich die Kugel zurecht und brachte die Pille hoch hinein auf den langen Pfosten. Westercelles Schlussmann verschätzte sich und vermochte es nicht mehr, die Pille über die Querlatte zu lenken. Baars hatte zwar noch die Hand unter den Ball gebracht, aber dennoch sprang das Leder von der Lattenunterkante zum umjubelten 2:1 über die Linie. Einem geschenkten Gaul schaut man bekanntlich nicht ins Maul und so nahmen wir die unerwartete Führung dankend entgegen. Was so ein Treffer bewirken kann, wurde uns in den folgenden 10 Minuten eindrucksvoll vorgeführt. Plötzlich drehten die Schlossparkkicker wie entfesselt auf. Aktionen, die noch kurz zuvor mit Sicherheit fehlgeschlagen wären, gelangen nun wie selbstverständlich. Und so eroberte nur 3 Min nach dem 2:1 Luca-Simon Homann im Mittelfeld die Kugel, passte zu Nils Koehle, der anschließend mit einem blitzsauberen Zuspiel auf halbrechts Luca Bischoff in Szene setzte. Luca suchte - trotz des spitzen Einschusswinkels - sofort den Abschluss und schaffte es tatsächlich, den Ball in der Torwartecke zum 3:1 (70.) unterzubringen. Doch damit nicht genug. Etelsen blieb im Vorwärtsgang und erhöhte durch ein Kopfballtor ihres Sturm-Dinos, Bastian Reiners, sogar noch auf 4:1 (76.). Vorausgegangen war ein Eckball, mit dem Nico Meyer mustergültig den am kurzen Pfosten lauernden Reiners bedient hatte. Mit seinem Treffer hat sich Basti nach gut zweiwöchiger Spielpause eindrucksvoll zurückgemeldet. Bei 3 Toren Vorsprung und einer Restspielzeit von etwa einer Viertelstunde sollte der Drops doch wohl gelutscht sein?!

Aber wer das dachte (mich eingeschlossen), hatte die Rechnung ohne die nimmermüden Gäste gemacht. Sie ließen die Köpfe nicht hängen und versuchten alles. In der 83. konnte sich schließlich ihr Kevin Gerecke gegen unsere Abwehr durchsetzen und Dreyer mit einem Aufsetzer aus ca. 18 m überwinden. Mit dem 4:2 wechselte das treulose Momentum erneut die Seite und die Aufholjagd war eröffnet. Wer weiß, was passiert wäre, wenn Cedric Dreyer in der 88. nicht so glänzend den Kopfball von Westercelles Nr. 4, Johannes Wunsch, pariert hätte? Mich erinnerte das Ganze verdammt stark an die Partie im Mai 2018 gegen den SV Emmendorf, wo wir bis zur 87. mit 4:1 geführt hatten und in der Nachspielzeit doch noch den Ausgleich hinnehmen mussten (womit damals der Abstieg aus der Landesliga praktisch nicht mehr zu verhindern war). Und tatsächlich gelang dem VfL noch der Anschlusstreffer durch Fabian Woitschek in der 90+1. Kurz darauf hatte Dominik Gärtner sogar den Ausgleich für seine Farben auf dem Fuß, doch glücklicherweise konnte Daniel Janssen den Abschlussversuch blocken, sodass die Kugel nur hoch über die Latte flog und oben auf dem Netz landete. Nach 94 Minuten war endlich Schluss und die Aufregung hatte ein für unseren TSV gutes Ende gefunden.

Beide Teams haben sich nichts geschenkt. Die von Westercelle gezeigte Moral sieht man auch nicht alle Tage - Respekt!

Kurzvideo